Direkter Einblick in die Fluchtsituation

Mädchen der Klasse 9/4 trafen sich am 16.1. mit Flüchtlingen, die am Gymnasium am Tannenberg Deutsch bei Herrn Wolf lernen. Das Gespräch fand im Klassenraum der 9/4 statt (233). Trotz des Deutschunterrichts verständigten sie sich auf Englisch. Der Klassenlehrer Herr Mickan, Herr Wolff, sowie die Englischlehrerin Frau Merretig waren ebenfalls an dem Gespräch beteiligt und übersetzten teilweise für die Schülerinnen und stellten auch eigene Fragen an die Flüchtlinge.

 Die Idee des Gesprächs mit Flüchtlingen, die direkt an unserer Schule Deutsch lernen und somit leicht zu kontaktieren sind, stammte von Frau Romer von der Flüchtlingshilfe bleib.mensch (www.bleibmensch.org). Nachdem diese Idee von den Schülerinnen angenommen wurde, besprach man drei Grundthemen und übersetzte einzelne Fragen, mithilfe von Frau Merretig, ins Englische.  Die anfangs besprochenen Grundthemen waren die Heimat der Flüchtlinge, die Flucht selbst und ihre derzeitige Situation in Deutschland.

 

Die Gespräche fanden in zwei Gruppen statt. Jeweils drei Mädchen unterhielten sich mit zwei Geflüchteten. Schnell stellte sich heraus, dass drei der vier Flüchtlinge aus Syrien kommen. Einer der Flüchtlinge kommt aus Afrika. Syrien wurde den Mädchen als relativ freies, tolerantes Land geschildert. Das beruht auf den Mix der vielen Kulturen und Menschen die in Syrien aufeinander treffen, so erfuhren sie. So sind Kopftücher für Frauen zum Beispiel keine Pflicht. Das Leben der Mädchen dort gleicht dem unseren. Nur die Schule ist schwieriger und beginnt schon im Alter von vier Jahren. Frauen arbeiten nur so viel wie nötig oder gar nicht.
Für die Muslime gibt es zwei große Festivals, bei denen alle auf der Straße sind. Silvester wird in Syrien noch lauter als bei uns gefeiert und zwei der Geflüchteten berichteten dass sie das Feuerwerk in Deutschland schön fanden.
Doch der Krieg vertrieb auch die drei aus ihrem Heimatland und zwang sie zur Flucht. Auf der Flucht gab es teilweise keine Schlafplätze. Bei der Überreise per Boot, von der Türkei nach Griechenland, mussten sie die ganze Fahrt lang stehen. Und wenn man bei der Fahrt, mit einem großen Geländewagen aufs Klo musste war das ein Problem – es wurde nicht angehalten. Ihr Fluchtweg führte sie zu Erst über Libanon, dann zur Türkei, von da aus nach Griechenland, dann nach Mazedonien, Serbien, Kroatien, Ungarn und Österreich, bis schließlich nach Deutschland.

Hier in Deutschland ist es ihnen erst einmal gestattet drei Jahre zu verweilen. Jedoch sagten zwei der Geflüchteten das sie sich in Grevesmühlen nicht sehr willkommen fühlen. Auch würden sie gerne schneller Deutsch lernen.
Einer der Flüchtlinge erzählte den Schülerinnen was ihn in Deutschland besonders verwunderte. Er kannte es nicht das die Homosexualität in der Öffentlichkeit gezeigt wird und war dementsprechend bei diesem Anblick erstaunt. In Syrien ist es erlaubt und er findet es auch in Ordnung, berichtete er, aber in der Öffentlichkeit ist es weiterhin ein Tabu.
Ein anderes Mal wunderte er sich als er in den Bus stieg und beobachtete das die Menschen alle alleine saßen und nahezu verbarrikadierend ihre Taschen auf den Sitz neben sich abstellten.

Die Mädchen haben sich auch einige Male während des Gesprächsverlaufs gewundert und sehr viel über Syrien gelernt. Vorurteile konnten vernichtet werden und es wurde ein direkter Einblick in die gesamte Fluchtsituation gewährleistet. Das Gespräch mit Menschen die einem direkt gegenüber sitzen und erzählen wie furchtbar die Verhältnisse während der Flucht sind lässt einem eine Gänsehaut über den gesamten Körper laufen.
Als die Mädchen die Geflüchteten zuletzt Fragen was sie sich für ihr Land wünschen würden, entgegnen sie, dass alles wieder so wie vor dem Krieg werden sollte. Es war perfekt so wie es war.

Laura Skibbe

 

Wenn auch ihr Interesse an einem solchen Gespräch mit Flüchtlingen habt, zögert nicht eure Lehrer danach zu fragen.
Bei der Organisation hilft Herr Hollmann, der Leiter der Kreisvolkshochschule, weiter. Ihn findet Ihr im Haus 1 im obersten Stockwerk.

 

Hr. Mickan
Foto: Hr. Wolff