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Gedenkstättenfahrt Auschwitz- April 2026

Vom 20. bis zum 24. April 2026 begab sich ein Teil des 11. Jahrgangs auf Gedenkstättenfahrt nach Oświęcim in Polen. Die lange Hinfahrt am Montag haben wir sicher und leicht übermüdet überstanden.

Nach einer aufgeschlossenen Begrüßung im Seminarraum unseres Hotels durch Gabriella, welche uns für die nächsten Tage begleiten und organisatorisch unterstützen sollte, starten wir am nächsten Morgen nach dem Frühstück zu Fuß in eine, von ihr geleitete Stadtführung in Oświęcim.

Unser Weg führte uns zum erhaltenen, jedoch nicht mehr genutzten, jüdischen Friedhof im Ort. Wir lernten die Bedeutung der Symbole auf den Grabsteinen kennen und bekamen erklärt, dass der Friedhof nach dem 2 Weltkrieg erst wieder errichtet werden musste, da die Grabsteine in der Zwischenzeit als Baumaterialien für zum Beispiel Straßen genutzt worden waren; welch makabre Handlung seitens der Nationalsozialisten. Weiter im Zentrum des Ortes besuchten wir die sich dort auf einem Hügel befindende Burg. Vom 12. Jahrhundert bis heute ist Oświęcim von einer vielseitigen Geschichte geprägt und beherbergte sowohl eine große katholische Gemeinde als auch eine jüdische. Dies ist auch heute noch an den gut erhaltenen katholischen Kirchen mit viel Gemeindeleben und einem Gedenkplatz für die alte große Synagoge zu erkennen. In der kleinen, nunmehr ungenutzten, jedoch noch intakten Synagoge als Teil des jüdischen Museums, erfuhren wir mehr über die Geschichte der Stadt und den Vernichtungslager Auschwitz I, II und III. Auch wurde uns die Grundlagen der jüdischen Religion mittels Symbole und Gegenstände erklärt, was sich als gute Vorbereitung auf die nächsten Tage herausstellen sollte.

Am Nachmittag besuchten wir die Kunstausstellung von Marian Kołodziej. Er überlebte Auschwitz und begann 49 Jahre später, seine Erfahrungen in Form von Gesichtern, einprägsamen Augen und ganzen Szenen aus dem Konzentrationslager für die Nachwelt festzuhalten. Seine Erfahrungen, sein Leid und der Wunsch, nach einem Schlaganfall im hohen Alter das Erlebte für die Zukunft zu bewahren, formten die Ausstellung. Der Besuch hat jeden von uns individuell emotional berührt. Unsere Empfindungen, Gedanken und Ideen teilten wir am Abend in großer Runde mit allen Schülerinnen und Schülern in einer, von den Lehrern geleiteten, Reflexionsrunde.

Am Mittwoch besuchten wir Krakau mit einer spannenden Stadtführung durch das jüdische Viertel, mit dem Besuch in einer aktiven Synagoge, dem ehemaligen Ghetto und dem großen Marktplatz. In der anschließenden Freizeit hatten wir die Chance die Stadt selbstständig zu erkunden, bis wir die 1,5-stündige Rückfahrt zum Hotel antraten. Diese und die folgenden Reflexionen erfolgte in drei Kleingruppen, um individueller sprechen zu können und gehört zu werden.

Am Donnerstag teilte sich unsere Gruppe in zwei Kleingruppen. Die erste Kleingruppe begann mit einer 3,5 -stündigen Führung durch das Auschwitz-Stammlager und das Außenlager Auschwitz-Birkenau. Am Nachmittag nahmen wir an einem Workshop zu der Auschwitz-Überlebenden Zofia Posmyzs teil. Die zweite Kleingruppe begann den Tag etwas später mit einem Workshop zur Vorbereitung: Es wurde anhand von vier verschiedenen Fotos Quellenarbeit betrieben, um Zusammenhänge, die einer Interpretation des Bildmaterials erlauben, zu ergründen. Unsere Führung durch die Gedenkstätte mit den beiden Lagern fand am Nachmittag statt. Wir sahen unter anderem den Aufbau des ehemaligen KZs, menschliche und materielle Überreste der Häftlinge, original erhaltene Räumlichkeiten, wie zum Beispiel den unterirdischen Gefängnistrakt, und durchliefen auch eine der ehemaligen Gaskammern mit anschließendem Krematorium. Das war sehr unheimlich und schwer greifbar. Diese Anlage im Stammlager, wie auch die Ruinen der großen Vernichtungsräume in Birkenau waren ein zentraler Bestandteil des Lagersystems und belegen die systematische, industrielle Vernichtung von Menschen durch den Nationalsozialismus.

Die zwei Tage zuvor hatten uns geschichtlich und emotional bereits gut darauf vorbereitet, was uns erwarten würde, obgleich jeden von uns verschiedene Orte seelisch berührt haben. Die persönlichen Erfahrungen, die wir am Donnerstag gemacht haben, lassen sich in keinem Geschichtsbuch nachlesen, durch kein Gespräch erklären und auf keinem Foto einfangen. Sie waren und sind prägend für jeden einzelnen und für alle ist klar geworden: Die Zukunft liegt als Gemeinschaft in unserer Hand.

Wir danken allen, die an der Organisation der Reise beteiligt waren, der europäischen Akademie für die finanzielle Unterstützung, unserem Busfahrer dafür, uns sicher an jeden Ort gebracht zu haben, und natürlich im Besonderen Frau Baganz, Herrn Gramstat und Herrn Dr. Scheumann für die Vorbereitung, Durchführung und Koordination unserer wilden Truppe sowie den emotionalen Beistand.

Luise und Leni
(Jahrgang 11)

OswieciemEingang StammlagerFolterbankKrematoriumEingang Außenlager